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3.2 Historie

Das wissensbasierte Konfigurierungswerkzeug ENGCON wurde im Rahmen des Projekts RAPA II der Firma Lenze AG3.3 am TZI entwickelt. Das TZI ist ein Institut der Universität Bremen für den Technologieaustausch zwischen Wissenschaft und Industrie. ENGCON ist eine Weiterentwicklung des im Rahmen des Verbundprojekts PROKON (Problemspezifische Werkzeuge für die wissensbasierte Konfigurierung) unter Koordinierung der Universität Hamburg entwickelten Vorgängers KONWERK (Konfigurierungs Werkzeug). In diesem Vorgängerprojekt wurden die Methoden der strukturbasierten Konfigurierung entwickelt und ein Prototyp in Common Lisp bzw. CLOS (Common Lisp Object System) implementiert. Dieser Prototyp wurde bei zahlreichen Anwendern praktisch erprobt und beständig weiterentwickelt (vgl. Günter, 1995a,b). KONWERK beruht wiederum auf Ergebnissen aus dem Verbundvorhaben TEX-K, in dessen Rahmen ein ,,Expertensystemkern für Planungs- und Konfigurierungsaufgaben in technischen Domänen`` namens PLAKON ebenfalls hauptsächlich an der Universität Hamburg entwickelt und gleichfalls eine prototypische Implementierung in Lisp umgesetzt wurde (vgl. Cunis und Günter, 1991).

Die Notwendigkeit für die Entwicklung eines eigenen Expertensystemkerns ergab sich daher, dass die Anforderungen für ein Expertensystem für Konstruktionsaufgaben von kommerziellen Systemen nur teilweise oder gar nicht erfüllt wurden. Um Expertensysteme in Konstruktionsdomänen entwickeln zu können, war es erforderlich, einen spezialisierten Expertensystemkern zu entwickeln. Der Schwerpunkt der Entwicklung lag verhältnismäßig stark auf Konfigurierung und betont weniger die Aspekte der Planung.

Um eine möglichst unkomplizierte Einbettung in moderne Umgebungen zu gewährleisten, wurde der am TZI entwickelte Forschungsprototyp ENGCON V0, auf den sich die weiteren Ausführungen dieser Arbeit beziehen, in Java 2 implementiert (vgl. Hollmann et al., 2000). Die Entwicklung erfolgte mit Unterstützung der Lenze AG und einer Ausgründung aus dem TZI, der encoway GmbH & Co. KG3.4, einem Unternehmen der Lenze-Gruppe, sowie dem Hamburger Informatik Technologie-Center e.V.3.5 (HITeC). Durch encoway wurde der Protoyp in ein kommerzielles Produkt überführt, dem DRIVE SOLUTION DESIGNER (DSD). Im DSD findet der Expertensystemkern ENGCON V1 in Form der ENGCON CONFIGURATION SUITE (ECS) zur Konfigurierung von Motoren und Antriebstechnik (für Druck- und Sortiermaschinen, etc.) Verwendung (vgl. Ranze et al., 2002). Die zu konfigurierenden Antriebslösungen weisen mit ca. $10^{23}$ unterschiedlichen Produkt-Kombinationen eine sehr hohe Variantenvielfalt auf. Zurzeit wird der DSD von ca. 300 Vertriebsingenieuren der Lenze AG zur Planung und Auslegung von Antriebssystemen genutzt. Durch den Einsatz der Software wird die Zeit für eine Angebotserstellung stark reduziert, zudem vermindert sie deutlich die Fehlerquote bei den erzeugten Angeboten.

Für diesen äußerst erfolgreichen und innovativen Einsatz von Methoden der Künstlichen Intelligenz innerhalb eines marktreifen Produkts wurde der DRIVE SOLUTION DESIGNER von der American Association for Artificial Intelligence3.6 mit dem Preis ,,Innovative Applications of Artificial Intelligence Award 2002`` ausgezeichnet (vgl. CampusPress, 2002). Sowohl der Forschungsprototyp ENGCON V0, als auch der DSD mit ENGCON V1, sowie die Erweiterung eben dieser um neue Funktionalitäten ist Thema zahlreicher Veröffentlichungen (vgl. Krebs et al., 2003; Günter et al., 2001; Arlt et al., 1999; Hollmann et al., 2000; Ranze et al., 2002) und Diplomarbeiten (vgl. Werres, 2002; Krebs, 2002; Bonar, 2003).



Fußnoten

...3.3
http://www.lenze.de
...3.4
http://www.encoway.de
...3.5
http://www.hitec-hh.de
...3.6
http://www.aaai.org

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